🌸 Wenn meine Kinder anders sind, als ich es mir vorgestellt habe
Als unsere Kinder klein waren, hatte ich natürlich Vorstellungen davon, wie sie einmal sein würden.
Nicht nur, welchen Beruf sie vielleicht wählen oder welchen Weg sie gehen würden.
Auch ganz kleine Dinge.
Was ihnen gefallen könnte.
Welche Interessen sie entwickeln.
Welche Menschen ihnen wichtig sein würden.
Und natürlich gibt es vieles, was genauso gekommen ist, wie ich es mir vorgestellt habe.
Aber eben nicht alles.
Und manchmal merke ich, dass mir genau das schwerfällt.
🌿 Wenn es anders kommt
Ich glaube, wir Eltern machen uns ganz automatisch ein Bild von unseren Kindern.
Wir kennen sie von klein auf und glauben, sie gut zu kennen.
Und dann werden sie größer.
Sie entwickeln ihren eigenen Geschmack, ihre eigenen Vorstellungen und irgendwann treffen sie Entscheidungen, bei denen wir manchmal denken:
Das hätte ich anders gemacht.
Warum entscheidest du dich dafür?
Bist du sicher, dass das richtig ist?
Natürlich sind meine Kinder nicht grundsätzlich anders, als ich es mir vorgestellt habe.
Aber bei manchen Dingen merke ich, dass meine Vorstellung von ihrem Weg nicht unbedingt mit dem übereinstimmt, was sie selbst möchten.
Und genau da beginnt für mich das Loslassen.
🌸 Nur weil es nicht nach Rom will …
Ich erinnere mich noch immer an einen Satz aus einem Erziehungskurs, den mein Mann und ich damals besucht haben.
Einige Eltern erzählten von ihrem Kind, das einen anderen Weg gehen wollte, als sie es sich vorgestellt hatten.
Die Kursleiterin hörte eine Weile zu und sagte dann sinngemäß:
„Nur weil euer Kind nicht nach Rom will wie ihr – ist es deshalb weniger liebenswert?“
Dieser Satz ist mir geblieben.
Damals fand ich ihn einfach schön.
Heute verstehe ich ihn noch ein bisschen anders.
Denn natürlich dürfen unsere Kinder einen anderen Weg wählen.
Aber das zu wissen, ist das eine.
Es auch wirklich auszuhalten, etwas anderes.
🌿 Ich hätte es anders gemacht
Wenn meine Kinder eine Entscheidung treffen, die ich nicht verstehe, merke ich manchmal sofort, wie in mir dieser Gedanke entsteht:
Ich würde das anders machen.
Und manchmal bin ich sogar überzeugt davon, dass meine Entscheidung besser wäre.
Vielleicht, weil ich bestimmte Erfahrungen schon gemacht habe.
Vielleicht, weil ich sehe, wo eine Entscheidung hinführen könnte.
Und natürlich möchte ich meine Kinder gerne vor Dingen bewahren, von denen ich glaube, dass sie ihnen später Schwierigkeiten bereiten könnten.
Aber irgendwann muss ich mich fragen:
Ist es wirklich meine Aufgabe, ihnen diese Erfahrungen abzunehmen?
Ich kann sagen, was ich denke.
Ich kann meine Erfahrungen erzählen.
Ich kann meine Sorgen äußern.
Aber entscheiden müssen sie selbst.
🌸 Loslassen
Ich glaube, das ist eine der schwierigsten Aufgaben, wenn die Kinder größer werden.
Nicht mehr alles wissen zu wollen.
Nicht mehr ständig nachzufragen.
Nicht jede Entscheidung kommentieren zu müssen.
Und manchmal auch einfach nichts zu tun.
Das fällt mir nicht immer leicht.
Denn natürlich möchte ich wissen, ob alles gut ist.
Aber vielleicht muss ich lernen, darauf zu vertrauen, dass meine Kinder sich melden, wenn sie mich brauchen.
Und wenn sie es nicht tun?
Dann ist das vielleicht auch gut.
Vielleicht bedeutet es einfach, dass sie gerade alleine zurechtkommen.
Dass sie ihren Weg gehen.
Und dass ich ihnen genau das irgendwann auch zutrauen muss.
🌿 Sie dürfen ihren eigenen Weg finden
Ich glaube nicht, dass Loslassen bedeutet, dass uns unsere Kinder plötzlich egal sind.
Ganz im Gegenteil.
Wir bleiben Eltern.
Wir machen uns Gedanken.
Wir sorgen uns.
Und manchmal denken wir wahrscheinlich auch weiterhin:
Ich hätte das anders gemacht.
Aber vielleicht müssen wir nicht aus jedem Gedanken eine Handlung machen.
Vielleicht dürfen wir anderer Meinung sein und trotzdem vertrauen.
Vertrauen darauf, dass das, was wir unseren Kindern mitgegeben haben, irgendwo in ihnen bleibt.
Dass sie ihre eigenen Erfahrungen machen.
Dass sie Fehler machen dürfen.
Und dass sie ihren Weg finden – auch wenn er manchmal anders aussieht, als wir ihn uns vorgestellt haben.
Vielleicht ist genau das Loslassen.
Nicht aufzuhören, für sie da zu sein.
Sondern zu lernen, nicht mehr für sie leben und entscheiden zu wollen.
Und vielleicht darf ich irgendwann einfach sagen:
Ich bin da, wenn du mich brauchst.
Und wenn du mich gerade nicht brauchst, dann ist das auch gut.
